Karate Kiba

kiba1Orignaltitel: ボディガード牙 (Bodigādo kiba)
Deutscher Titel: Kiba, der Leibwächter
Herstellungsland/-jahr: Japan 1973
Premiere: 24.05.1973
Darsteller: Sonny Chiba, Mari Atsumi, Masutatsu Ōyama, Jirô Chiba, Etsuko Shihomi, Yayoi Watanabe
Crew: Ikki Kajiwara (Manga-Vorlage)
Regie:
Ryuichi Takamori, Simon Nuchten
Genre:
Karate-Action
FSK/Altersempfehlung: ab 16 (die ungeschnitte Fassung ist ungeprüft, deren Indizierung vollkommen übertrieben)

Sonny Chiba, kaum ein asiatischer Schauspieler hat es im Westen zu derartiger Popularität gebracht. Hollywoods Enfant terrible Quentin Tarantino zitierte in Pulp Fiction eine Zeile aus dem im Folgenden besprochenen Kiba und besetzte den Japaner in seiner zweiteiligen Hommage an das Eastern-Genre – als Hatori Hanzo in Kill Bill, in den 1970er Jahren strömten tausende Zuschauer – auch in Deutschland – in die Kinos um Chibas Karatekünste zu bewundern und seit einigen Jahren feiern seine Filme internationales Revival. Dabei hatte es Kiba im Westen nie besonders einfach: vom amerikanischen Verleih um eine halbgare Einleitung der Regisseurs Simon Nuchtern ergänzt, im deutschen Kino gekürzt und auf Video und DVD indiziert. Dabei bleibt der Karate-Thriller in der vorliegenden US-Fassung, die sich erheblich vom japanischen Original unterscheidet, doch vergleichsweise zahm – und auch über weite Strecken belanglos.

Der stattliche Karatekämpfer Kiba (Sonny Chiba) vereitelt gekonnt eine Flugzeugentführung, woraufhin ihn die Medien als Held feiern. Die neu erlangte Publicity nutzt er schamlos aus, indem er Werbung für seinen Kampfstil macht und sich gleichzeitig als Leibwächter anbietet. Die schnieke Reiko (Mari Atsumi) springt auf ihn an, wird sie doch von allerlei drogendealendem Gesindel bedrängt, gegen das sie vorgibt gerichtlich auszusagen. Also heftet sich der hehre Japaner an den Rockzipfel der zwielichtigen Dame, die es jedoch faustdick hinter den Ohren hat und auf eigene Rechnung die Gangster abzocken will.

Kiba nimmt sich ernst, viel zu ernst um den Plot um schwarz gekleidete Meuchelmörder, knochenbrechende Handkanten, dealende US-Soldaten, Geheimwaffen und die obligatorische Femme Fatale nicht ins unfreiwillig Komische abgleiten zu lassen. Doch eben solches widerfährt Regisseur Ryuichi, der sich bedauerlicherweise nicht auf die abgedrehten und überzeichneten Elemente der Handlung und der Figuren konzentriert, sie nicht auf eine selbstironische Tour de Force schickt, sondern seine Handlung unnötig komplizierte und langatmig abspult. Alles wirkt ein wenig lieblos und öde, wo ist der Sex? Wo ist die Gewalt? Wo ist der Sleaze? Ok, anfangs gibt es ein wenig nackte Haut und danach zwei, drei blutige Tötungen, doch das ist einfach zu wenig um zu überzeugen und von den Defiziten in der Handlung abzulenken. Die macht nämlich von Anfang an keinen Hehl daraus, worauf sie es abgesehen hat. Spannung? Überraschende Wendungen? Nada. Immerhin gibt Mari Atsumi der Dame ein wenig Profil, lässt sie verletzlich, geradezu zerbrechlich wirken. Anders sieht es da mit Sonny Chiba aus, der stoisch den unbestechlichen Bodyguard mimt, in der deutschen Fassung kongenial von Thomas Danneberg synchronisiert, und nur wenig sympathisch oder gar profiliert daherkommt. Auch in den Action-Szenen kann Herr Chiba nicht sonderlich überzeugen, wirkt er doch noch eine Spur steifer als sonst. Die einfallslose Choreographie tut ihr Übriges dazu. Die Kämpfe sind meist sehr unübersichtlich gefilm, schlampig geschnitten und bedauernswert kurz. Chiba packt die Handkante aus, schon liegen die Gegner reihenweise am Boden. Das mag ein Mal ganz nett sein, ist als durchgängiges Konzept für einen Actionfilm aber einfach zu wenig.
Womit der Film dann aber in gewisser Weise doch noch punkten kann ist die schöne, an Italo-Actioner der 1970er erinnernde Kameraarbeit außerhalb der Karate-Szenen, die immer wieder mit Winkeln und Zooms experimentiert und den Film zumindest visuell zeitweise interessant macht. Auch die Musik – schnoddernder 70s-Pulp, der außerhalb des Films total auf die Nerven geht – hört sich zwar geklaut an, ist aber weitesgehend gelungen.
Wenn am Ende dann die Leichen an der japanischen Küste im Sonnenuntergang langsam ausbluten ist der Abend dann doch irgendwie gerettet.

Brutales:
– Kiba kugelt den Arm eines Gegners ein wenig zu heftig aus.
– Kibas Schwester wird verdroschen und nackt vor einer Kirche abgelegt.
– Kiba pult ausgiebig in den Augen eines Gegners herum.

Spezielles:
– Die Japanische Mafia kleidet sich vorrangig schwarz.
– Kiba kann mit einem Schlag töten und springt ganz phantastisch.

Die DVD:New Entertainment World (Deutschland)
Die DVD bietet ein akzeptabeles, nicht sonderlich sorgfältig, wenn überhaupt, restauriertes Bild im anamorphen Originalformat von 2,35:1 an. Besonders auffällig ist die nur bedingt vorhandene Schärfe, wodurch das Bild insgesamt sehr weich wirkt. Je größer die Betrachtungsfläche, umso auffälliger. Auch die Farben sind relativ blass ausgefallen. Vermutlich stand eine alte Kinorolle als Master zur Verfügung. Insgesamt passabel.
Als Tonspuren werden die – gelungene – deutsche, sowie die englische Synchronfassung geboten, denen Mann ihre Alter doch recht deutlich anhört. Knacken, Rauschen, Knistern, alles ist vorhanden, wenngleich nie wirklich störend. Lediglich die Neigung zur Übersteuerung fällt manchmal unangenehm auf. Beide Fassungen sind in Dolby Digital 1.0 vorhanden.
Da es sich bei der Fassung um die ungeschnittene US-Version handelt, laufen einige Szenen der deutschen Fassung in Englisch mit optionalen deutschen Untertiteln ab.
Leider haben es weder der japanische Originalton noch eine durchgängige deutsche Untertitelspur auf die DVD geschafft.
An Extras werden neben einer alternativen Titelsequenz und einer gut gemeinten Bildergalerie noch der Trailer zum Hauptfilm und zu anderen Veröffentlichungen des Labels geboten. Dabei ist die Auswahl ein spaßiger Querschnitt durchs internationale Genrekino der 1970er und 1980er.
Mangels Alternativen eine gerade noch empfehlenswerte Veröffentlichung, bei der allerdings bis heute nicht hundertprozentig geklärt ist, ob es sich um ein Bootleg handelt oder nicht.

Trotzallem ist die DVD über Amazon zu beziehen:
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Bilder folgen…

©Text: shaw scope    ©Bilder: Toei