The Second is a Christian

Orignaltitel: 二代目はクリスチャン (Nidaime wa Christian)     Deutscher Titel:
Herstellungsland/-jahr: Japan 1985                                             Premiere: 14.09.1985
Studio: Kadokawa Shoten
Darsteller: Etsuko Shihomi, Kôichi Iwaki, Akira Emoto, Rino Katase, Shigeyoshi Fujioka, Keizô Kanie, Kin’ya Kitaôji, Ryusuke Matsumoto
Crew: Kôhei Tsuka (Vorlage, Drehbuch), Kai Masato (Musik)
Regie:
Kazuyuki Izutsu
Genre: Nunploitation
FSK/Altersempfehlung: ab 18

Etsuko Shihomi (Jahrgang 1955) gilt bis heute als der größte und populärste weibliche Actionstar Japans. Über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren spielte sie in zahlreichen Klassikern wie The Bullet Train (Panik im Tokio-Express), Shogun’s Shadow, Roaring Fire (Diamantenauge) oder Shogun’s Ninja die weibliche Hauptrolle. Ihre meisten Fans eroberte sie jedoch als schlagkräftige Hauptdarstellerin in der Sister Street Fighter Reihe (Teil 1 in Deutschland: Die Karate-Tiger), daneben wirkte sie in zahlreichen TV-Serien mit. Mitte der 1980er Jahre zog sie sich komplett aus dem Filmgeschäft zurück und widmete sich nach ihrer Heirat (1988) mit dem japanische Sänger Nagabuchi Tsuyoshi komplett ihrer Familie. The Second is a Christian ist einer ihrer letzten Filme, 1985 für die Filmabteilung des Kadokawa Verlags gedreht, und eine ziemliche Absurdität.

Die katholische Nonne Kyoko (Etsuko Shihomi) lebt zusammen mit ihrer Mutter Oberin (Yumeji Tsukioka) in einer Kirche, die auch als Waisenhaus fungiert. Dort lebt auch der Yakuza Haruhiko (Kouichi Iwaki), dem nach dem Tod seines Vaters nur noch eine Gang aus sechs Mitstreitern verblieben ist. Er streitet zusammen mit dem Polizisten Kumashiro (Akira Emoto) um die Gunst der attraktiven Ordensschwester, die, nach Ansicht ihrer Mutter Oberin, längst hätte heiraten und ihre Jungfräulichkeit verlieren sollen. Doch Kumashiros Eltern – sein Vater ist buddhistischer Patriarch und Vorsteher eines Tempels –  etwas gegen eine derartige interreligiöse Verbindung, und so schließen letztendlich Kyoko und Haruhiko den Bund fürs Leben. Bedauerlicherweise wird Haruhiko noch am Hochzeitstag von seiner ehemaligen Geliebten (Rino Katase) ermordet, worauf Kyoko die Geschäfte des Gangsters übernehmen muss, fließt doch das Blut eines Yakuza durch ihre Adern.

Was Regisseur Katzuyuki Izutsu hier seinem Publikum auftischt passt auf keine Kuhhaut. The Second is a Christian ist ein wüster Genremix aus schwülstiger  Nunploitation, zotiger Komödie, knallhartem Gangsterfilm und spirituellem Relegionsdrama, der in einem chaotischen, apokalyptischen Showdown mündet. Schon zu Beginn ist Strinrunzeln angesagt, Katzuyuki pfeift auf jede erdenkliche Moral und lässt die beiden männlichen Hauptdarsteller nach allen Regelnd er Kunst um die hübsche Nonne balzen. Auch die Mutter Oberin mischt kräftig mit, zeigt sich regelrecht schockiert, als ihr Schützling ihr eröffnet, sie habe während ihres Aufenthalts im Vatikan keinerlei sexuelle Erfahrungen sammeln können. Der inhaltliche Tiefpunkt wird erreicht, als Kumashiros Freund ihm rät, Kyoko einfach auf’s Bett zu werfen und zu begatten. Danach wird’s besser, aber keinesfalls logischer. Die Aufführung des letzten Abendmahls Jesu wirkt grotesk, Kyokos Hochzeit mit Haruhiko und der anschließende Mord beinahe surreal und als die frisch verwitwete Braut auch noch die Mörderin, die glücklicherweise vor Gericht auf Grund von Unzurechnungsfähigkeit freigesprochen wurde, bei sich aufnimmt, verkommt der Film zu einer verkorksten Parodie, ehe er zum Ende hin dann ein richtiges Drama wird. Der Regisseur lässt es sich nicht nehmen in dieser Phase ausufernde Kritik am Pazifismus des Christentums zu üben, streut Selbstzweifel und macht den Film zu einem verkappten Religionsmelodram. Der Showdown wird dann mit automatischen Waffen, Schwertern, Granaten und Raketenwerfern bestritten.
Das Finale ist dabei, wie auch der restliche Film, gar nicht so schlecht inszeniert. Zwar gibt es weder eine ausgereifte Choreographie, die Actionszenen kann man getrost als ein einziges Chaos bezeichnen, jedoch ist dieser Teil mit Abstand der unterhaltsamste und auch der spannendste. Der Bodycount ist recht hoch und es wird auf beiden Seiten blutig und langsam gestorben. Allerdings wird die Action immer wieder von unnötigen Dialogen oder unangebrachten Weinkrämpfen unterbrochen, was die Szenen sehr geschwätzig und langatmig macht und ehe man als Zuschauer wirklich in Fahrt kommt sind sie auch schon vorrüber.
Insgesamt kann man The Second is a Christian zumindest handwerklich als durchaus gelungen betrachten. Die Bilder sind stimmig, die Musik passend und auch der Schnitt kann überzeugen.
Etsuko Shihomi spielt ihre Rolle als Nonne überzeugend und schafft es auch in den absurdesten Situationen Würde zu bewahren. Dazu ist sie auch in Nonnenkluft äußerst hübsch anzuschauen. Selbst ihre übertrieben dramatischen Szenen am Ende meistert sie gekonnt, lediglich ihre Actionszenen wirken ein wenig unbeholfen. Doch dies dürfte wohl eher an der unfähigen Regie, als an ihrem Können liegen.
Die übrigen Darsteller fallen dagegen gnadenlos durch. Kouichi Iwaki als weinerlicher Yakuza ist ebenso peinlich wie Akira Emoto als pubertierender, grimassenschneidender Mittdreißiger mit Polizeimarke. Soll das komisches Talent sein? Wohl kaum. Darüber hinaus ist vor allem Akira dermaßen unsympathisch, dass man ihn am liebsten zum Mond schießen möchte. Rino Katase und Yumeji Tsukioka haben als bekiffte Schlampe vom Dienst und als lüsterne Mutter Oberin mit schwachem Herz die wohl undankbarsten Rollen des Films abbekommen. Kouichis Yakuza-Kumpel lasse ich mal außen vor…
The Second is a Chritian ist eine einzige Kuriosität, ein wilder Eintopf verschiedener Genres, voll peinlicher Szenen, wüster Dialoge und fragwürdiger Botschaften. Was soll das alles? Soll der Film uns zum Lachen bringen? Bedingt. Soll er uns ein kritisches Bild des Christentums zeigen? Misslungen. Soll er einen Fetisch befriedigen? Teilweise. Soll er uns unterhalten? Kaum. Der Film ist Vieles, aber nichts Ganzes. Fragmente der wilden Phantasien eines bedingt talentierten Regisseuers – eine einzige Absurdität.

Die DVD: Kodokawa Media (Taiwan, Code 3, DVD5), ungeschnitten.
Bild: Das Bild basiert auf dem Master der japanischen DVD und bietet eine gute Schärfe, lediglich die Farben wirken ein wenig blass. Verschmutzungen gibt es nicht. Das anamorph kodierte Bildformat beträgt 1,85:, allerdings gibt es links und rechts kleine Ränder, wodurch das Format effektiv bei 1,78:1 liegen dürfte. Die Kompression arbeitet unauffällig.
Ton: Der japanische Originalton wird in Dolby Digital 2.0 geboten und bietet eine gute Verständlichkeit und einen klaren Klang.
Untertitel: Optionale Untertitel gibt es nur in traditionellem Chinesisch.
Extras: Neben einem schlichten Menü haben es leider keinerlei Extras auf die DVD geschafft.

©Text: shaw scope    ©Bilder: Kadokawa Media