The Criminals

Orignaltitel: 香港奇案 (Xianggang Xi An)        Deutscher Titel:
Herstellungsland/-jahr: Hongkong 1976      Premiere: 16.01.1976
Darsteller: Si Wai, Shih Szu, Liu Hui-Ling, Chiang Han, Terry Liu, Wang Chung, Tien Ching, Ha Ping, Lo Lieh, Wong Yu, Yueh Hua, Tanny Tien Ni, Ku Feng, Yuen Wah, Chan Shen, Cheng Miu, Ching Gong, Kong Yeung
Crew: Ching Gong (Drehbuch), Corey Yuen (Assistent-Director)
Regie:
Ching Gong (Hidden Torsos), Hua Shan (Valley of the Hange), Ho Meng-Hua (The Stuntsmen)
Genre: Thriller
FSK/Altersempfehlung: ab 16

Mitte der 1970er Jahre begannen die Shaw Brothers langsam auf den Zug des Exploitation-Kinos aufzuspringen. Jenes Kino, das während seiner Blüte von Kitikern geächtet, jedoch umso mehr Zuschauer in muffige Bahnhofskinos lockte und gut 20 Jahre nach seiner Blütezeit dank eines gewissen Quentin Tarantino ein ziemlich erfolgreiches Revival auf DVD und in Arthouse-Kinos rund um den Globus feiern darf, von der neuen Generation Filmkritier gelobt
und geliebt. Einst wegen iherer drastischen Darstellung von Gewalt und Sex gefürchtet entwickelten sich Filme wie Lady Snowblood (1973), Coffy (Coffy – Die Raubkatze,1973), Il gatto a nove code (Die Neunschwänzige Katze, 1971) oder auch Il grande silenzio (Leichen pflastern seinen Weg, 1968) inzwischen zu anerkannten und gelobten Kultfilmen. The Criminals bietet dem Zuschauer in drei Kurzfilmen die typischen Genrezutaten, garniert mit dem werbewirksamen Verweis, alle drei Geschichten basierten auf wahren Begebenheiten aus Hongkong. Mit zahlreichen Stars des Studios besetzt wurde der Film ein beachtlicher Erfolg, der immerhin vier nach gleichem Muster aufgebaute Fortsetzungen nach sich zog.

Hidden Torsos
Jenny (Shih Szu) hat einen Schlussstrich unter ihre Beziehung zu Rong Sheng (Si Wai) gezogen. Zusammen mit ihrer stummen Tochter möchte sie ihr Geld aus der gemeinsamen Wohnung holen, ohne das sich die beiden nicht ins Ausland absetzen können. Bedauerlicherweise kehrt Rong Sheng früher als Erwartet zurück – mit mörderischen Absichten.
Der erste, von Ching Gong (Killers Five, Der Kampf um die Todessiegel) inszenierte Beitrag ist zugleich der beste, besitzt das kammerspielartige Duell zwischen Jenny und ihrem ehemaligen Geliebten eine äußerst gruselige Atmosphäre. Zahlreiche Stilmittel des Horrorfilms werden bedient und Ching Gong versteht es sie zu einem überzeugenden Kurzfilm zusammenzufügen. Zwar fehlt es dem Film ein wenig an inhaltlicher Raffinesse, eine gute Portion Spannung und gute Darsteller gleichen dies jedoch spielend aus. Eine atemlose, gnadenlose Tour de Force.

Valley of the Hange
Der Bauarbeiter Hong (Kong Yeung) lebt in einer lieb- und vor allem lustlosen Ehe mit der hübschen Mei-Jiao (Terry Liu), die sich lieber bei ihrer Tante (Ha Ping) zum Glücksspiel trifft. Dort lernt sie auch den schmierigen De (Tien Ching) kennen, seines Zeichens Hongs Vorarbeiter, mit dem sie dann auch eine leidenschaftliche Affäre beginnt. Als Hong die beiden Turteltäubchen auf frischer Tat ertappt, sind die Konsequenzen klar.
Hua Shan (Das Vermächtnis der Shaolin, Ti Lung – Das blutige Schwert der Rache, Invasion aus dem Inneren der Erde) gelang vor allem durch seine Schwertkampf- und Fantasyfilme zu Ruhm. Valley of the Hange stellt einen eher ungewöhnlichen Beitrag in seiner Filmographie dar. Dass Hua in anderen Genres zu Hause ist, merkt man dem Film stellenweise auch an. Die Dreiecksgeschichte ist etwas uninspiriert und es schleichen sich durchaus einige Längen in die knapp 30 Minuten Laufzeit ein. Immerhin können die Darsteller durchaus überzeugen. Jede noch so schlüpfrige Situation, jeder noch so absurde Dialog – Hong legt seiner Frau, die ihm den ehelichen Beischlaf verweigert, anschaulich dar, wieviele Prostituierte er sich von dem Geld hätte kaufen können, das er für die gemeinsame Hochzeit ausgeben hat. Diese Episode ist sicherlich die verruchteste von allen und die Atmosphäre ist durchgehend dreckig und vollkommen überdreht, so sind dem ehebrechenden Liebespaar ein brutal in den Boden gerammter Holzpfhal, sowie ein hecktisch pickender Spielzeugvogel zwischengeschnitten.

The Stuntsmen
Chen Zhong (Lo Lieh) ist ein arbeitsloser Herumtreiber, der von der Hand in den Mund lebt. Durch Zufall empfiehlt ihm ein Freund bei den Filmstudios der Shaw Brothers (!) anzuheuern, die ja immer Personal suchen. Dort bekommt er auch einen Job als Stuntman und darf unter anderem Stars wie Yueh Hua, Regisseur Ching Gong und die bezaubernde Tanny Tien Ni treffen. Doch der Lohn der Gebrüder Shaw reicht kaum für ein einigermaßen genießbares Leben, weshalb sich viele der Stuntleute etwas dazuverdienen, indem sie sich von örtlichen Gangsterbossen anwerben lassen. Auch Chen lässt sich diesen lukrativen Nebenerwerb nicht entgehen. Eines nachts trifft er auf eine Prostituierte (Tienny Tien Ni in einer Doppelrolle), die der berühmten Tanny Tien Ni bis aufs Haar gleicht, er verliebt sich in sie und wittert das große Geschäft: als Edelprostituierte soll sie reichen Kunden das Geld aus der Tasche ziehen. Während seine Freundin anschaffen geht steigt Chen schnell die Bandenhirarchie empor und wird ein angesehener Gangster. Als er einen jungen Schläger (Wong Yu) unter seine Fittiche nimmt, der sich auch in Tienny verliebt, kommt es zur Tragödie.
Ho Meng-Hua quetscht in seinen 40 Minuten langen Part so viel Handlung hinein, wie normalerweise in einen abendfüllenden Spielfim passen würde. Dadaurch wirken viele Aspekte überhastet und ausgearbeitet. Chen steigt viel zu schnell auf, die titelgebenden Stuntmen spielen nur eine nebensächliche Rolle und die Beziehungen zwischen den einzelnen Hauptcharakteren sind nicht sonderlich gut ausgearbeitet. Die Geschichte an sich ist eher unsinspiriert, folgt bekannten Gangsterfilmpfaden und bietet kaum Neues. Alles hat man eingentlich schon einmal gesehen, meist besser. Immerhin halten einige ansprechende Actionszenen und gute Darsteller bei Laune, wenngleich eine wirklich positive Identifikationsfigur fehlt. Lo Lieh mimt den erfolgssüchtigen Kleinkriminellen, der seine Freundin auf den Strich schickt, souverän unsympathisch, ebenso wie Tienny Tien Ni die geldgeile Luxusprostituierte. Wong Yu ist ok, obwohl er sicher nicht zu den besten Darstellern des Studios zählt, sein Auftritt ist auch relativ kurz und undankbar. Am besten gefallen dann doch die Einblicke in die Studios der Shaw Brothers, sowie die Cameo-Auftritte Yueh Huas und Ching Gongs, die sogar für den einen oder anderen Lacher sorgen.

Die DVD: Deltamac/Celestial (Taiwan, Code 3, DVD5), geschnitten.

Bild: Das Bild wird im anamorphen Originalformat (2,35:1) präsentiert und bietet eine meist angenehme Schärfe und gute Farben. In einigen dunklen Szenen wirkt das Bild allerdings ein wenig weich, blass und weiniger detailreich. Die Kompression arbeitet meist unauffällig, einige Artefakte sind bei schnellen Schwenks aber hin und wieder bemerkbar, ebenso wie geringe Nachzieheffekte.
Ton: Die Synchronisationen in Mandarin und Kantonesisch (der Film wurde ohne Setton gedreht) liegen in Dolby Digital 2.0 vor und bieten eine gute Verständlichkeit. Alterbedingte Fehler sind bei beiden Tonspuren kaum hörbar, jedoch wirken sie gelegentlich ein wenig übersteuert. Die Unterschiede zwischen beiden Spuren sind vernachlässigbar.
Untertitel: Optionale Untertitel liegen in Englisch, traditionellem Chinesisch, Malayisch und Indonesisch vor. Die englischen Untertitel sind leicht verständlich und gut übersetzt, sparen jedoch manchmal Namen aus oder fassen längere Sätze in wenigen Worten zusammen. Das Timing ist gut.
Extras: Die üblichen Standartbeigaben findet man auch auf dieser DVD: neu geschnittene Trailer zum Hauptfilm, sowie zu Kidnap, The big Holdup, Police Force und Danger has two Faces, im anamorphen Originalformat (2,35:1, bzw. 1,85:1) und optional englisch untertitelt. Daneben gibt es spärlich kommentierte Set-Photos, Bilder aus dem Film, das Originalposter, den Text des DVD-Covers als Produktionsnotiz und Bio- und Filmographien zu Shih Szu und den drei Regisseuren. Die Texte sind jeweils zweisprachig: traditionell Chinesisch und Englisch.
Bedauerlicherweise wurde der Film für die Kinoauswertung in Hongkong in zahlreichen Gewaltszenen mal mehr, mal weniger offensichtlich geschnitten, die DVD (wie auch die DVD aus Hongkong) beinhaltet diese geschnittene Fassung, da entweder entsprechendes Material nicht mehr auffindbar war oder die Schnittszenen Markierungen enthielten und bei der Restauration entfernt wurden.

©Text: shaw scope    ©Bilder: Deltamac/Celestial

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