Marco Polo

Orignaltitel: 馬哥波羅 (Mage Poluo)                    Deutscher Titel: Marco Polo – Im Reiche des Kublai Khanpolo
Herstellungsland/-jahr:
Hongkong 1975          Premiere: 25.12.1975
 Darsteller: Alexander Fu Sheng, Richard Harrioson, Chi Kuan-chun, Phillip Kwock, Shih Szu, Leung Kar-yan, Gordon Liu Chia-hui, Johnny Wang Lung-wei, Carter Wong
Crew: 
Ni Kuang, Chang Cheh (Drehbuch), Hsieh Hsing, Chan San-yat (Action), John Woo (Regieassisstent)
Regie:
Chang Cheh
Genre:
Kung-Fu-Epos
FSK/Altersempfehlung: FSK ab 16
Zu Beginn der 1970er Jahre wurde ein junger Schauspieler aus den Reihen der Shaw Brothers systematisch zum neuen Star des Studios aufgebaut: Alexander Fu Sheng. Nach einigen kleineren Rollen als Statist oder Nebendarsteller sollte Chang Chehs Police Force den jungen Mimen zu einem der begehrtesten und beliebtesten Schauspieler Hongkongs machen. Auch im Westen wurde Fu Sheng – zumindest unter Genrekennern – zur Berühmtheit, was er vor allem Chang zu verdanken hatte, dessen Kampfkunstfilme in den 1970ern auch in Deutschland gewisse Popularität errangen. So auch Marco Polo, der – wie damals üblich in Gewalt und Handlung stark geschnitten – am 25. März 1977 in den deutschen Lichtspielhäusern seine Premiere feierte.
Der venezianische Weltreisende Marco Polo (Richard Harrison) gelangt im Jahre 1275 an den Hofe des Mongolenfürsten Kublai Khan (Li Tung-chuen), der das Erbe seines Großvaters Dschingis Khan angetreten hat und über China mit strenger Hand herrscht. Marco Polo erlangt das Vertrauen des Herrschers und soll in seinem Namen in den Süden Reisen um die dortigen Provinzen zu inspizieren. Doch im Süden macht sich bereits Widerstand bemerkbar: vier junge Kämpfer (u.a. Alexander Fu Sheng und Chi Kuan-chun) lassen sich im Geheimen von alten Meistern in längst verschollen geglaubte Techniken des Kung-Fu einweihen. Ihr Ziel: Kublai Khan und seinen als unbesiegbar geltenden Leibwächtern (u.a. Gordon Liu, Leung Kar-yan und Johnny Wang) den Gar auszumachen.Imposante Reiterhorden, monumentale Zeltstädte, pompöse Paläste, weite Steppen das und noch mehr könnte man bei dem Titel erwarten, jedoch ist Chang Chehs Werk mehr konventioneller Kampfkunst-Film als epochales Erzählkino. Dabei kränkelt der Film an den shaw-typischen Gebrechen, die die meisten als Epos ausgelegten Filme in der späten Phase des Studios ausmachen: uninspirierte Drehbücher, austauschbare Inszenierung, knappes Budget.
Letzteres macht sich besonders bei den Mongolen bemerkbar: das Reitervolk ist fast ausschließlich zu Fuß unterwegs, lediglich hohe Würdenträger oder der verehrte Gast Marco Polo dürfen sich auf dem Rücken eines Pferdes fortbewegen. Das drückt die Atmosphäre, ja, es macht Marco Polo auch hin und wieder richtig billig, beispielsweise wenn unmotivierte Statisten im Gänsemarsch hinter ihren reitenden Anführern herrennen. Ansonsten ist die Ausstattung ganz nett, die Kostüme passabel, die Kulissen meist stimmig, wenngleich ein großer Teil des Filmes auf dem bekannten Außengelände des Studios entstanden ist und nur wenig spektakulär daher kommt. Dafür hat er mit Hsieh Shing und Chan San-yat zwei talentierte Action-Choreographen an der Hand, die den Film mit meist sehr ansehnlichen, am Ende auch blutigen Kampfszenen ausgeschmückt haben, wobei es bei der Koordination großer Kämpfe ein wenig hapert, stehen einige Soldaten oft recht unbeteiligt um das eigentliche Kampfgeschen herum.

Was die Inszenierung anbelangt, so ist diese immerhin solide, ohne sich von Chehs anderen Werken abzusetzen, weder nach oben, noch nach unten. Chang Cheh war nie der Regisseur, der optischen Spirenzchen, eher ein verlässlicher Handwerker, weshalb in diesem Bereich weder sonderliche Stärken noch Schwächen herausstechen.
Das Drehbuch allerdings ist eines der Hauptmankos des Filmes: erwartet man doch wenigstens einen kleinen Einblick in das Leben am Hofe und im Reiche des Mongolenfürsten. Aber das Autorenduo Chang und Ni machen sich nicht einmal die Mühe ein einigermaßen episches oder originelles Skript zu verfassen, liefern stattdessen eine halbgare Geschichte um Widerstandskämpfer und deren Unterweisung in mystische Kampfkünste, die genausogut in jeder anderen Epoche der chinesischen Geschichte hätte spielen können. Statt den Fokus auf Marco Polos Reise zu setzen tritt der Besucher schnell in den Hintergrund und macht Platz für die chinesischen Patrioten, wird gar zum unwichtigen Nebencharakter. Die Frage nach einem einigermaßen historisch plausiblen Bild stellt sich da erst gar nicht. Kulturschock? Kommunikationsprobleme? Man spricht Chinesisch!
Zumindest eine gute Seite hat die Abkehr vom Titelhelden Polo: der Zuschauer muss sich nicht länger das verschlafene, wenig motivierte Gesicht Richard Harrisons zu Gemüte führen, wirkt der schon reichlich untalentierte C-Ninja-Film-Held in Marco Polo noch eine Spur untalentierter. Völlig neben sich tapst der Amerikaner durch die chinesische Botanik, dabei wünscht man sich mehr als ein Mal, dass einer der Widerstandskämpfer endlich sein Schwert in den Wanst dieses Dödels treibt. Die Darsteller dieser Widerstandskämpfer kommen dann auch eine Spur besser weg: Alexander Fu Sheng ist gant sympathisch und weiß seinen aufkommenden Ruhm gekonnt zu nutzen, ohne sich allzu aufdringlich in den Vordergrund zu drängen. Chi Kuan-chun ist einmal mehr der heimliche Star, hat er doch eine enorme Leinwandpräsenz. Auf Seiten der Gegner kann man einen jungen Gordon Liu bewundern, der neben Johnny Wang und Leung Kar-yan eine ganz gute Figur macht, ebenso wie Carter Wong in einer seiner seltenen Rollen bei den Shaw Brothers.  
Marco Pol
o ist insgesamt eine kleine Enttäuschung – für alle, die ein aufwendiges Action-Epos erwarten. Alle anderen bekommen einen nett inszenierten Kung-Fu-Film zu sehen, dessen Titelheld zwar eine lahme Ente ist, der aber dennoch dank solider Kampfszenen und überzeugender chinesischer Darsteller leidlich unterhaltsam ausfällt. Kein großer Wurf, kein Klassiker, aber immer noch genießbares Kampfkunstkino.

Die DVD:Koch Media (Shaw Brothers Collection 2)
Bild: sb1Das Bild der DVD präsentiert sich in guter Qualität, das selbst auf größeren Betrachtungsflächen ausreichend Details zeigt. Die Schärfe des anamorphen Bildes in 2,35:1 ist gut, die Farben kräftig. Gemessen am Alter, ein sehr guter Transfer. Für die vorliegende DVD wurden 2 Szenen, die auf dem restaurierten Master von Celestial nicht enthalten waren, aus einer schlechteren Quelle eingefügt, diese beiden kurzen Szenen weichen qualitativ stark vom restlichen Film ab, jedoch präsentiert die DVD den Film erstmals komplett ungeschnitten auf DVD!
Ton: Der Ton zeigt sich in beiden Sprachen – Deutsch und Mandarin – als solider 2.0-Mix in Dolby Digital. Die Dialoge sind jederzeit gut verständlich, Defekte halten sich in beiden Sprachfassungen in Grenzen. Die chinesische Sprachversion wirkt einmal mehr leicht übersteuert. Ehemals geschnittene Szenen, die für die Kinofassung nicht synchronisiert wurden, wurden mit anderen Sprechern nachsynchronisiert.
Die deutsche Originalsynchro aus den 1970ern wird Fans sicherlich begeistern, finden sich doch einige bekannte Sprecher wieder. Zwar ist nicht immer alles nah am Original, aber dennoch gut hörbar, zumal die Sprecher sehr emotional und professionell wirken.
Untertitel: Erfreulicherweise hat Koch Media auf Dubtitles verzichtet und präsentiert uns eine sehr nah am Original angelehnte deutsche Untertitelspur. Tippfehler oder gravierende grammatikalische Schnitzer sind nicht vorhanden.
Extras: Koch Media hat einmal mehr ein ganz ansprechendes Paket an Zusatzmaterial geschnürt, das uns zunächst ein Feature über Alexander Fu Sheng (7 Minuten, 16:9, anamorph, mit deutschen Untertiteln) bietet. Die filmische Kurzbiographie stammt aus der Reihe Elegant Trails, lässt einige Weggefährten zu Wort kommen und zeigt einen kurzen Überblick über Fus Karriere und Leben. Daneben gibt es noch zwei deutsche und einen frnzösischen Trailer (alle in 2,35:1, anamorph) zum Film, sowie eine umfangreiche Bildergalerie mit Postern, Aushangfotos und Stills. Die Menüs sind zudem musikalisch untermalt und passend gestaltet.Die deutsche DVD schlägt die Version aus Hongkong nicht nur in Sachen Bildqualität, legt sie doch auch bei den Extras ein wenig (im Bilder-/Trailerbereich) nach. Dank brauchbarer Untertitel ist die Scheibe auch für Freunde des chinesischen Tons eine interessante Alternative zum Import.Die DVD ist exklusiv in der Shaw Brothers Collection 2 von Koch Media erschienen. Bei entsprechendem Erfolg wird eine Einzel-VÖ aber nur eine Frage der Zeit sein.Die Kritik der Komplettbox findet ihr demnächst hier!

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