Zero Woman – Red Handcuffs

Orignaltitel:  0課の女 赤い手錠(ワッパ) (0-Ka no on’na akai tejō (wappa))?????????????????????????
Deutscher Titel: Der Tiger von Osaka
Herstellungsland/-jahr: Japan 1974
Premiere: 21.05.1974 (Japan) / 03.02.1977 (Deutschland)
Darsteller: Miki Sugimoto, Hiromi Kishi, Tetsurō Tamba, Hideo Murota, Eiji Gō, Yōko Mihara, Naoyuki Sugano
Crew:
Hirō Matsuda, Fumio Konami (Drehbuch), Shunsuke Kikuchi (Musik), Yoshio Nakajima (Kamera), Osamu Tanaka (Schnitt)
Regie:
Yukio Noda
Genre:
Action-Thriller
FSK/Altersempfehlung: ab 18 (die neue deutsche DVD ist ungeprüft und indiziert)

In Yukio Nodas brutalem Action-Thriller legt sich Pinky Violence-Legende Miki Sugimoto mit brutalen Gangstern und korrupten Bullen an. Der 1974 entstandene Film vereint sämtliche Versatzstücke des Geres zu einem nihilistischen Feuerwerk der Gewalttätigkeiten.

Osaka: Die taffe Polizistin Rei (Miki Sugimoto), die gerade noch einen fiesen Vergewaltiger über die Klinge hat springen lassen, findet sich im örtlichen Frauengefängnis wieder, da ihre männlichen Vorgesetzten derartige Anflüge von Selbstjustiz nicht gutheißen können. Rettung naht in Form des schmierigen Politikers Nagumo (Tetsuro Tanba), dessen flügges Töchterlein wurde vom durchgeknallten Nakahara (Eiji Gō) und seiner nicht minder zwielichtigen Bande geradewegs aus dem Bett ihres Liebhabers entführt, was den potentiell designierten Premierminister dazu nötigt, Rei mit der möglichst diskreten Rettung seines Mädels zu beauftragen. Während Rei sich erfolgreich in Nakaharas Gang einschleust, zeigt Nagumos Tochter immer deutlichere Symptome von unfreiwilliger Drogensucht und Stockholmsyndrom. Derweil wird ihrem Herrn Vater die Sache zu bunt: um einen öffentlichen Skandal zu verhüten, soll ein von ihm angeheuertes Killerkommando allen beteiligten endgültig den Gar aus machen.

Die Frau mit den roten Handschellen: Miki Sugimoto
In Der Tiger von Osaka spielt die am 28 Januar 1953 in Chigasaki geborene Miki Sugimoto ihre beste und auch populärste Rolle. Als moralisch ambivalente, aufreizende, im wahrsten Sinne des Wortes umwerfende Undercover-Polizistin spielt sie mit ihrer puren Präsenz, ihrem stoischen Blick und nicht zuletzt ihren weiblichen Reizen alle anderen Darsteller, des gelungenen Ensembles an die Wand. Spielte das ehemalige Model in Toeis brutalen Erotikfilmen lange, meist hinter ihrer Kollegin Reiko Ike (Sex & Fury), die zweite Geige, ist Yukio Nodas Thriller voll und ganz ihr Film. Selbst wenn Noda den Fokus manchmal verlagert und allen seinen Charakteren relativ viel Zeit einräumt, ist sie doch die Titelheldin, der Dreh- und Angelpunkt dieses kleinen Meisterstücks japanischen Genrekinos.
Ihr Filmdebüt gab sie 1971 in dem von Toei produzierten Softsexstreifen Hot Springs Earthworn Geisha (温泉みみず芸者), indem auch die spätere Pinky Violence-Ikone Reiko Ike zum ersten Mal auf der Kinoleinwand zu sehen war. Es folgten zahlreiche Produktionen, die von Sugimoto weniger darstellerisches Talent und nuancenreiches Spiel erforderten, als vielmehr Leinwandpräsenz und sprichwörtlichen vollen Körpereinsatz. Ob als flatterhafte Mafiabraut in Criminal Woman: Killing Melody (前科おんな 殺し節, 1973), als anarchistisch angehauchte Anführerin einer Mädchengang in Girl Boss Guerilla (女番長ゲリラ, 1972) oder als aufsässige Mittelschülerin, die ihre ermordete Freundin rächt in Terrifying Girls‘ High School: Lynch Law Classroom (恐怖女子高校 暴行リンチ教室, 1973) – Sugimoto wusste ihre mimischen Differenzen gekonnt zu kaschieren. So fallen ihre Auftritte dann auch weitaus offenherziger aus, als beispielsweise die Meiko Kajis – etwa in der Stray Cat Rock-Reihe (野良猫ロック, 1970 – 1971) –, die auch in freizügigeren Rollen nie allzu viel von sich sehen lies. In Girl Boss Guerilla zum Beispiel gibt es kaum eine Szene mit ihr, in der sie nicht zumindest eine ihrer hübschen Brüste unverhüllt präsentiert und gleich in ihrer ersten Szene von Der Tiger von Osaka ist sie (im Rahmen der japanischen Zensurvorschriften, die das Zeigen des Genitalbereichs verbieten) gar gänzlich nackt zu bewundern.
Im Jahre 1973 konnte sie sich dann auch den von der japanischen Produzentenvereinigung verliehenen Élan d’Or Award (エランドール賞), der seit 1956 jährlich an die besten Newcomer im japanischen Filmgeschäft überreicht wird, sichern – ein Jahr nach Reiko Ike.
Die Karrieren dieser beiden Stars des japanischen Schmuddelkinos sind ohnehin eng miteinander verwoben, traten sie doch meist gemeinsam, als Verbündete, als Konkurrenten oder irgendwo dazwischen, auf. Der Tiger von Osaka ist eine ihrer wenigen One-Woman-Shows und irgendwie mag man sich keine andere Darstellerin in der Rolle der ebenso rechtschaffenen wie kaltblütigen Gesetzeshüterin vorstellen. Die Nonchalance, mit der sie in ihrer ersten Szene einem Mann das Gemächt zusammenschießt, wie sie geschickt die Gangsterbande um ihren Finger wickelt, bis sie schließlich im Finale Kugeln und Handschellen sprechen lässt – dies ist Sugimotos Film und so sie hat ihn sich verdient.
Danach folgten noch einige weitere Ausflüge ins Kino und Fernsehen, doch keine ihrer Rollen konnte Rei aus Osaka das Wasser reichen. Im Jahr 1978 beendete Sugimoto schließlich ihre Schauspielkarriere, heiratete einen ehemaligen Schulfreund und arbeitet seitdem als Lehrerin in einer Krankenpflegeschule.

Schnittmassaker, Schelte, dumme Sprüche und ein Happy End: „Der Tiger von Osaka“ in Deutschland
Wie so viele Exploitationfilme hatte es auch Der Tiger von Osaka nicht leicht in der Bundesrepublik. Erschienen in einer Zeit, in der übereifrige Moralwächter, Jugendschützer und nicht zuletzt der berühmt-berüchtigte Katholische Filmdienst kaum ein gutes Haar an härterer, freizügigerer Genrekost aus Europa und Asien ließen, landete der Film zunächst auf dem Schneidetisch des Verleihs, dann im Tonstudio eines gewissen Rainer Brandt – seines Zeichens unermüdlicher Schnodderer, Umschreiber gelungener Dialogbücher unzähliger Italowestern und Retter der Kultserie Die Zwei –, und letztendlich auf dem Index.
Dabei lässt die alte deutsche Fassung, die 1977 in den deutschen Lichtspielhäusern zu bewundern war, beinahe sämtliche brutale Schauwerte missen.
Gleich zu Beginn fehlt etwa der blutige Genitaltreffer bei Reis erstem Gegner, dem Vergewaltiger. Auch weite Teile der verschiedenen Vergewaltigungen von Nagumos Tochter und schließlich auch der von Rei fehlen, so dass man das traurige Schicksal – zumindest von Erstgenannter – nur erahnen kann. Auch in Sachen Polizeibrutalität hält sich die deutsche Fassung mehr als zurück: wird einer der Gangster im Original von den Polizisten, die Nagumo zuvor angeheuert hat Rei, seine Tochter und ihre Entführer zu töten, brutal mit Schraubstock und Lötkolben gefoltert, bleibt von dem unmenschlichen Verhör in der alten deutschen Fassung kaum etwas übrig. Am schmerzlichsten sind aber sicherlich die Schnitte im Finale, welches um all seine überzogen brutalen Schauwerte beraubt wurde, so fehlt dann auch Reis kultiger Handschelleneinsatz. Doch nicht nur Gewaltszenen fielen der Schere zum Opfer, auch das Toei-Logo ganz zu Beginn und der komplette Vorspann wurden geschnitten, eine Unart, die in den 1970ern leider viele deutsche Verleihe pflegten.
Ein gänzlich anderes Phänomen stellt die deutsche Synchronisation dar, die auf Grundlage der geschnittenen Fassung von Rainer Brandts Synchronstudio angefertigt wurde. Brandt selbst führte dabei Regie und zeichnete sich auch für das Dialogbuch verantwortlich. Dieses strotzt nur so vor menschenverachtendem und diskriminierendem Humor und dürfte sicherlich mitverantwortlich für die bald darauf erfolgente Indizierung des Filmes gewesen sein. Passten Brandts freie Interpretationen bei den Abenteuern eines Bud Spencer und Terence Hill noch ganz gut, peppte sein Humor die eigentlich recht verschnarchte Krimiserie The Persuaders, alias Die Zwei gehörig auf, wirkt bei einem doch eher ernsten Stoff diese Art der Verfremdung recht unpassend. Angefangen bei den Namen der Protagonisten, die sich beinahe gänzlich auf aufdringliche Spitznamen beschränken, über einige gelungene Passagen, bis hin zu obszönem Unterschichtenslang greift Brandt auf sein komplettes Repertoire zurück. So kommen im Original prollig-peinliche Auswüchse wie dieser flapsige Kommentar zu Miki Sugimotos ansehnlicher Oberweite glücklicherweise nicht vor: „Oh, das ist schön. Da könnte ja eine halbe Molkerei von existieren!“; was nicht heißen soll, das Original verzichte auf derbe Sprache, nur ist sie hier roher, passender und vor allem nicht auf Teufel komm raus auf niveaulosen Witz getrimmt. Dass sie es eindeutig besser können bewiesen Brandt und sein Team hingegen etwa bei der deutschen Vertonung der Serie M*A*S*H, die weitestgehend den Ton des Originals trifft.
Bei der Synchronbesetzung setzte Brandt wie so oft auf bewährtes Personal, und so finden sich unter den Sprechern einige Größen der deutschen Synchron- und Hörspielbranche: Keine geringere als „Karla Kolumna“ Giesela Fritsch leiht Miki Sugitmoto ihre Stimme, während ihr Gegenspieler Nakahara von „Arnold Schwarzenegger“ Thomas Danneberg vertont wurde. In weiteren Rollen sind zudem Edgar Ott (bekannt durch seine Arbeit als Benjamin Blümchen) und Norbert Langer (die deutsche Stimme von Tom Selleck in Magnum und John Nettles in Inspector Barnaby) zu hören.
Als der Film schließlich am 3. Februar 1977 in den deutschen Kinos seine Premiere feierte, ließ die Kritik nicht lange auf sich warten. Federführend war einmal mehr der Katholische Filmdienst, der Nodas Film förmlich als „abstoßender, miserabel gestalteter Actionfilm voller sadistischer Szenen, garniert mit obszönem Dialog“ zerriss. Fortan fristete der Film ein trauriges Dasein. Auf Video wurde selbstredend nur die gekürzte Fassung veröffentlicht, der die FSK dann auch eine Freigabe verweigerte und die alsbald ihren Weg auf den Index fand. Dort wurde es lange Still um den Film, der lediglich als Geheimtipp in einschlägigen Fankreisen die Runde machte. Als um die Jahrtausendwende dann die DVD das digitale Zeitalter des Heimkinos einläutete, sollte auch die im Jahr 2004 erschienene erste deutschsprachige DVD des Filmes nichts an dem kläglichen Dasein des Filmes ändern: wieder nur gekürzt, dazu in abschreckender Qualität und nur deutsch Synchronisiert fand der Film den Weg auf den Silberling. Eine alsbald nachgeschobene „Special Edition“ aus den Niederlanden enthielt wenigstens die ungeschnittene Fassung, allerdings in einer noch grauenvolleren digitalen Aufbereitung. Immerhin verfügte diese Version über den japanischen Originalton, schlechte Untertitel in Deutsch und Englisch machten selbigen allerdings weitesgehend unbrauchbar.
Erst im Jahr 2013, 39 Jahre nach seiner Premiere in Japan, sollte es für den Film in Deutschland endlich ein Happy End geben: Das auf Genrefilme spezialisierte Label Motion Picture veröffentlichte ihn in ungeschnittener, restaurierter Fassung.
Das Bild erfreut sich eines farbenfrohen, scharfen und sehr sauberen Transfers im anamorphen Originalformat von 2,35:1. Selbst auf größeren Bildschirmen überzeugt das Bild mit einer angenehmen Schärfe und ausreichend vielen Details. Die Normwandlung ist zudem sehr gelungen, es entstehen weder Nachzieheffekte noch Bewegungsunschärfen. Die Kompression arbeitet unauffällig im Hintergrund. Eine wahrlich gelungene Bildpräsentation.
Der Ton hingegen zeigt sich da weniger spektakulär. Altersbedingt werden zwei Mono-Mixe spendiert, die aber durch eine gelungene Abmischung und ein weitgehend sauberes Klangbild überzeugen. Der japanische Originalton klingt ein wenig frischer und authentischer als die, technisch ebenfalls technisch gelungene, deutsche Synchronfassung, die die ehemals geschnittenen Szenen im Originalton mit deutschen Untertiteln wiedergibt. Optional stehen selbstverständlich auch durchgängige deutsche Untertitel zur Verfügung. Diese wurden neu übersetzt und an den Originalton angepasst.
Das Bonusmaterial beschränkt sich lediglich auf Trailermaterial, eine Bildergalerie und ein Hidden Feature: wer ein wenig sucht, kann als Belohnung die geschnittene deutsche Kinofassung in ziemlich bescheidener Qualität „bewundern“. Eine gelungene DVD, die eigentlich in keiner gut sortierten Exploitation-Sammlung fehlen sollte.

 

©Text: shaw scope    ©Bilder: Toei