Heart of a Dragon

Orignaltitel: 龍的心 (Long de Xin)                       Deutscher Titel: Powerman III
Herstellungsland/-jahr:
Hongkong 1985         Premiere: 16.10.1985
Darsteller: Jackie Chan, Sammo Hung, Emily Chu, Mang Hoi, James Tien, Melvin Wong, Dick Wei, Lam Ching-Ying, Chin Ka-Lok, Yuen Wah, Corey Yuen, Wu Ma, Fruit Chan
Crew:
Barry Wong Ping-Yiu (Script), Corey Yuen, Mang Hoi, Yuen Wah, Yuen Biao (Stunts), Leonard Ho (Produktion), Arthur Wong (Kamera)
Regie:
Sammo Hung Kam-Bo
Genre:
Action Drama

Seit dem Tod der Eltern kümmert sich der junge Polizist Ted (Jackie Chan) um seinen geistig behinderten Bruder Dodo (Sammo Hung). Ted, der davon träumt zur See zu fahren, muss Dodo immer wieder aus prekären Situationen heraushauen, in welche ihn falsche Freunde treiben. Als Dodo durch Zufall Diebesgut des skrupellosen Gangsters Kim (James Tien) in seine Hände fällt, geraten die zwei Brüder ins Kreuzfeuer der Verbrecher und der Polizei.

Sammo Hung griff bereits 1985, drei Jahre vor „Rain Man“, ein Thema aus, das im chinesischen Kulturkreis (VR China, Hongkong, Taiwan) immer noch weitestgehend tabuisiert wird: geistige Behinderung. Menschen mit geistigen Behinderungen werden noch immer gesellschaftlich ausgegrenzt, gehänselt, schikaniert, ihre Familien gemieden, weshalb sie betroffene Familienmitglieder meist in abgelegene und heruntergekommene Heime abschieben. Die ablehnende Haltung der Gesellschaft thematisiert Hung dann auch in einigen bedrückenden Szenen, wenn etwa die gesamte Belegschaft eines Restaurants den ängstlichen Dodo verprügelt und niemand – weder Gäste, noch die Polizei – ihm beistehen möchte, oder ein Imbissbesitzer Dodo auf menschenverachtende Weise verschiedene Tiere nachahmen lässt. Dazwischen gibt es dann aber auch immer wieder warmherzige Szenen, wenn Ted und Dodo zusammen spazieren gehen oder Teds Kollegen sich um Dodo kümmern. Doch auch zwischen Ted und Dodo kommt es zu Konflikten, denn Ted wächst die Pflege seines Bruder immer mehr über den Kopf, sein Privatleben und seine Träume leiden darunter. Auch hier zeigt sich Hungs Film sehr reif und vielschichtig, natürlich immer unter Berücksichtigung des Genres gesehen. Leider driftet Hung aber auch hin und wieder in Albernheiten und unnötige, verkrampft spaßig wirkende Füllszenen ab. Dodos Ausflug ins Kühlhaus ist recht plump inszeniert, sein Besuch beim Schulleiter, den Vater eines Freundes spielend, reichlich unpassend. In diesen wenigen Szenen verspielt der Film einiges von seiner Ernsthaftigkeit, wodurch der Eindruck eines mutigen, differenziert erzählten Dramas leidet.
Schauspielerisch liefert vor allem Jackie Chan eine sehr erwachsene und gute Leistung ab, die auch seine modernen, ernsten Rollen wie in „New Police Story“ in den Schatten stellt. Sammo Hungs Dodo dagegen wirkt eher wie ein großes Kind, nicht wie ein Mensch mit einer (spezifizierten) geistigen Behinderung. Hier wäre eine genauere Recherche hilfreich gewesen. Daneben gibt es größere und kleinere Auftritte vieler bekannter Gesichter des Hongkong-Kinos, wie etwa Emily Chu als Teds Freundin, Mang Hoi als Polizist, Dick Wei als Gangster, Lam Ching-Ying als Ausbilder und Chin Kar-Lok als Polizist. In der Eröffnungssequenz ist zudem Fruit Chan („Dumplings“), einer der wichtigsten Regisseure des unabhängigen Hongkongkinos, zu sehen.
Wie zu erwarten handelt es sich bei „Herz des Drachen“ (Übersetzung des chinesischen Originaltitels) nicht einfach nur um ein bewegendes Familiendrama, sondern auch um einen großartigen Actionfilm. Hier zeichnet sich vor allem die auf der Blu Ray als Hauptfilm anwählbare japanische Langfassung aus, die um zwei großartig choreographierte Actionszenen erweitert wurde. Dennoch stellt der ausgedehnte Showdown auf einer Baustelle zweifellos den Höhepunkt des Films, wenn nicht gar einen der Höhepunkte des Hongkonger Filmjahres 1985, dar. Die Action ist schnell, hart und weitestgehend realistisch gehalten, einige schmerzhafte Stunts inklusive. All das wunderbar von Arthur Wong eingefangen.
Der bewegende Titelsong wird übrigens von der taiwanischen Sängerin Su Rui gesungen.

Die Blu Ray:
Als „Powerman III“ im Rahmen der „Jackie Chan Dragon Edition“ erschienen, ist auch die nunmehr 12. Blu Ray der Reihe ein Fest für Freunde Jackie Chans und des Hongkong-Kinos. Wie bereits bei den vorangegangenen Titeln, die „Armour of God“-Filme mal außen vor gelassen, hat Splendid Entertainment die Wünsche der Fans berücksichtigt und nicht nur die längste weltweit verfügbare Fassung auf die Blu Ray gepresst, sondern auch eine Vielzahl interessanter Extras zusammengestellt, worauf nun im Detail eingegangen wird:

Die Fassungen:
Die Hauptfassung der BD stellt die japanische Langfassung – im Interview von Sammo Hung fälschlicherweise als „Internationale Fassung tituliert“ dar, die zuvor nur in Japan zu sehen war. Im Gegensatz zur regulären Hongkongfassung wurde sie im ersten Drittel um zwei sehenswerte Actionszenen erweitert. Diese Szenen wurden von Hung entfernt um dem dramatischen Aspekt der Geschichte mehr Gewicht zu verleihen und den Film weniger actionlastig zu machen. Interessanterweise weist die japanische Fassung aber noch vier weitere Änderungen auf: an zwei Stellen wurde die Verfolgungsjagd gegen Ende unwesentlich ergänzt, zudem gibt es im Finale eine zusätzliche Gewaltszene, die zeigt, wie Jackie Chan einen Gegner mit einer Spitzhacke ersticht. Auffälligste Änderung ist aber mit Sicherheit der Abspann, der in dieser Fassung eine umfangreiche Sammlung von Outtakes zeigt, während dieser in der Hongkongfassung lediglich vor schwarzem Hintergrund abläuft.
Die ehemals geschnittenen Szenen – sowohl die neuen Szenen der Japan-Fassung, als auch die in der deutschen Videofassung entfernten Szenen – werden auch bei Anwahl der deutschen Tonspur auf Kantonesisch mit deutschen Untertiteln wiedergegeben.
Im Bonusmaterial spendiert Splendid dann noch die alte deutsche Videofassung, rekonstruiert mit dem Master der Japan-Fassung. So können Zuschauer den um etliche Handlungsszenen erleichterten und dadurch actionlastigeren Heimvideo-Cut komplett in Deutsch bewundern.
Die japanische Langfassung wurde von der FSK ab 12 Jahren freigegeben, während die Videofassung die alte FSK-Freigabe ab 16 trägt.

Das Bild:
Das Format von 1,78:1 (1080P) kommt dem Originalformat von 1,85:1 sehr nahe, wodurch die Bildverluste marginal bleiben. Splendid griff im vorliegenden Fall nicht auf das Bildmaster aus Hongkong zurück, welches lediglich einen Upscale darstellt, sondern verwendete das native HD-Material aus Japan.
Wir bekommen ein angenehm scharfes Bild mit guter bis befriedigender Detailzeichnung. Mit einem großartigen HD-Effekt, wie es bei neueren oder aufwendig restaurierten Produktionen der Fall ist, sollte man aber nicht rechnen. Dies ist vor allem dem beim Dreh verwendeten Material und den Lagerbedingungen in Asien zu schulden. „Heart of a Dragon“ sah nie besser aus und die Blu Ray stellt in Sachen Bildqualität eine deutliche Steigerung zu den bisher in Deutschland erschienenen DVDs dar.
Die Videofassung entspricht qualitativ der Langfassung.

Der Ton:
Gleich vier Tonspuren bekommen wir auf die Ohren: da wären zum Einen zwei DTS-HD-Master Audio-Spuren in 5.1. (Deutsch, Kantonesisch). Dabei handelt es sich um Upmixe, die um neue Geräusche und Effekte erweitert wurden und gerade bei Fans nicht sonderlich beliebt sind. Tatsächlich klingen sie recht künstlich, wenngleich es deutlich schlimmere Upmixe gibt.
Zur Freude der Kritiker sind auch zwei Mono-Spuren, ebenfalls in DTS-HD-Master Audio, Deutsch und Kantonesisch, anwählbar. Entgegen der Befürchtung handelt es sich dabei nicht um Downmixe der neuen 5.1-Spuren sondern um die Original-Mono-Mixe. Sie bieten einen angenehm frischen klang und dezentes Retrofeeling.
Ein Tonhöhenproblem liegt nicht vor.
Löblich ist auch, dass die kantonesischen Tonspuren der HK-Fassungen verwendet wurden, weshalb der für die Japan-Fassung erstellte, unpassende Soundtrack auch in dieser Sprachfassung nicht vorkommt. Lediglich ganz am Ende, während der Outtakes erklingt Jackie Chans bedingt genießbares Lied „Tokyo Saturday Night“, da der Outtakes-Abspann wesentlich länger ist als der der Hongkong-Fassung.
Bei den ausblendbaren deutschen Untertiteln handelt es sich zudem um richtige Untertitel, die sich am chinesischen Original orientieren und nicht die Synchronisation wiedergeben.

Die Extras:
In dieser Sektion hat Splendid ein interessantes Paket zusammengestellt, dass alle anderen Veröffentlichungen ziemlich alt aussehen lässt.
Bey Logans Audiokommentar ist wie immer sehr interessant und dank der deutlichen Aussprache des Filmexperten auch für des Englischen nicht ganz so mächtige Hörer gut verständlich, da Splendid dieses Feature nicht deutsch untertitelt hat. Logan liefert einiges Hintergrundwissen zum Film, den Darstellern und dem Hongkongkino allgemein, was diesen Beitrag eigentlich unumgänglich macht.
Daneben gibt es zwei Interviews, eines mit Regisseur und Darsteller Sammo Hung (11 Minuten), eines mit Kameramann Arthur Wong (15 Minuten). Sammo Hung erzählt einige interessante Anekdoten und Hintergrundinformationen zum Film und den Dreharbeiten. Arthur Wong hingegen wirkt ein wenig verwirrt, erzählt unzusammenhängend oder liefert schlicht falsche Informationen („Heart of a Dragon“ sei von „Rain Man“ beeinflusst worden). Das macht es dann auch schwer Wongs Ausführungen zu folgen und die Viertelstunde zieht sich trotz auflockernden Filmausschnitten beinahe endlos.
Ergänzt werden die Bonusmaterialien zum Film dann noch vom mehr als 5 Minuten langen Hongkong-Trailer, der, wie auch die Interviews, deutsch untertitelt wurde.
Die alte deutsche Videofassung (auch in HD 1080P; 80 Minuten) richtet sich wohl nur an Zuschauer, die gar nichts mit untertitelten Zusatzszenen anzufangen wissen und lieber kurzweilige Action bevorzugen.
Als Schmankerl für Fans gibt es dann noch eine Vintage-Trailershow mit deutschen Trailern (teils aus neuem Bildmaterial rekonstruiert) zu acht Jackie Chan-Filmen.
Die obligatorische Splendid-Trailershow darf selbstredend auch nicht fehlen.

Fazit:
Hatte Splendid Entertainment bei ihrer letzten Auflage der Jackie Chan-Klassiker noch den Unmut vieler Fans auf sich gezogen, die auch bei den aktuellen Veröffentlichungen Schlimmes befürchteten, belehren sie ihre Kritiker wider Erwarten eines Besseren und liefern einmal mehr eine sehr gute Blu Ray ab.
Der Filmfreund kann zwischen der weltweit längsten und der bekannten deutschen Fassung wählen, das Bild ist auf gutem Niveau, der Ton stellt Raumklang-, wie Retro-Freunde zufrieden und auch die Extras können überzeugen. Lediglich für die fehlenden deutschen Untertitel des Audiokommentars gibt es Abzüge.

„Heart of a Dragon“ stellt den wohl ungewöhnlichsten Beitrag zu Jackie Chans Filmographie der 1980er Jahre dar; die Symbiose aus bewegendem Drama und spektakulärem Actionfilm ist geglückt und verliert lediglich in wenigen Szenen an Glaubwürdigkeit. Aufgrund der guten darstellerischen Leistungen und der wichtigen Geschichte auch abseits der Actionszenen äußerst Sehenswert.

Film: ***1/2
Bild: ***1/2 / **** (gemessen am Ausgangsmaterial)
Ton 5.1: **1/2
Ton 2.0: ***1/2
Untertitel: *****
Extras: ****

Die weltweit beste Veröffentlichung!

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